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Die Region Khadigram

In dieser Gegend sind Hindi und Urdu die Hauptsprachen. Hauptreligion ist der Hinduismus. Der Islam und andere Glaubensrichtungen spielen nur eine untergeordnete Rolle.

tl_files/Fotos neu/Reg.Khadi1.jpgKhadigram liegt fernab im Distrikt Jamui im Bundesstaat Bihar, Nordostindien. Diese Gegend ist sehr ländlich. Die Anreise nach Khadigram ist schwierig. Per Bahn fährt man von Patna aus aus zur Bahnstation Jamui. Bis vor nicht allzu langer Zeit musste die Reise mit einem zweirädrigen Pferdegespann anstrengend und zeitintensiv fortgesetzt werden. Inzwischen ist das nicht mehr erforderlich. Man kann am Bahnhof einen Jeep mieten und bewältigt die Strecke bis Khadigram deutlich müheloser und in kürzerer Zeit. Dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass man von Patna aus mindestens eine fünfstündige Fahrtzeit in Kauf nehmen muss.


Die Menschen in der Region leben in aller Regel in Lehmhäusern, die oft nur einen Raum haben.
 Die Stromversorgung ist unregelmäßig, meistens unterbrochen. Fließend Wasser gibt es nicht. Die Wasserversorgung erfolgt über Brunnen und sogenannte Arras, künstlich angelegte Wasserreservoire.

tl_files/Fotos neu/Reg.Khadi 2.jpgDie Bevölkerung ernährt sich von der Landwirtschaft, in der Regel als Kleinpächter, meistens als Abhängige. Das Jahreseinkommen liegt in dieser Region im Durchschnitt unter 450 Euro. Der nächste Markt ist in Mallehpur, das ungefähr 16 Meilen entfernt liegt. Dort finden sich auch ein Polizeiposten und eine Poststation. Registrierungen bei Geburten und Sterbefällen sind genauso wenig üblich wie bei Eheschließungen. Gleiches gilt für das Erteilen von Ausweispapieren.

Ursprünglich war Bihar die Wiege der Kultur. Hier wurde die erste Universität Indiens 427 n. Chr. gegründet, die Nalanda University, deren Ruf über Indiens Grenzen weit hinausreichte und von der bereits der berühmte chinesische Mönch Hsüan Tsang im Jahre 629 berichtete. Hier befand sich das Hauptzentrum der Mahayana-Lehre des Buddhismus. Die Ausstrahlung dieses religiösen und kulturellen Zentrums ist aus der Geschichte Asiens nicht wegzudenken. Von hier aus verbreitete sich der Buddhismus weiter nach Nepal und Tibet, nach Sri Lanka und in zahlreiche weitere Länder Asiens.

tl_files/Fotos neu/Reg.Khadi 3.jpgBereits der griechische Gesandte am Hofe des Mauryakönigs Udayin beschrieb Pataliputra, das heutige Patna, im Jahre 459 vor unserer Zeitrechnung, als blühende Stadt. Heute sind in Bihar die Gesellschaftsstrukturen sehr verkrustet und das Kastenwesen treibt besondere Blüten. Die Regierung, mit Sitz in der Hauptstadt Patna, wird seit einigen Jahren von dem Ministerpräsidenten Nitish Kumar geführt, der einen recht guten Job zu machen scheint. Während seiner Amtszeit ging die Korruption zurück. Dafür wurden der Straßenbau und Ausbau öffentlicher Institutionen gefördert. Bis zum Amtsantritt Nitish Kumars leitete
Lalu Prasad Yadav als MInisterpräsident die politischen Geschicke des Bundesstaates Bihar. Nach seiner unrühmlichen Amtsenthebung wegen Korruption (das will in Indien etwas heißen), konnte er es mit einem Trick erreichen, dass die Amtsgeschäfte für mehr als eine Legislaturperiode auf seine Frau Rabri Devi, eine Analphabetin, übergingen. Der Schachzug Lalus, seine Frau auf dem Ministerpräsidentensessel zu inthronisieren, um weiterhin Profit aus dem Amt zu ziehen, ist besonders bedauerlich und erschreckend – erst recht unter dem Gesichtspunkt, dass Lalu und seine Frau der Gruppe der Kastenlosen/Unberührbaren/Dalit angehören.


Der Begriff Dalit bedeutet "die mit den Füßen Getretenen". Da dieses Paar sich in einer Vorreiterfunktion befand und sehr viel mehr öffentliche Aufmerksamkeit auf sich zog als andere Politiker, bestätigten sie durch ihr Verhalten alle bestehenden Vorurteile gegenüber dieser Gesellschaftsgruppe. Andererseits scheint dies dem Ansehen Lalu Prasad Yadavs nicht wirklich geschadet zu haben. Er wurde einige Jahre später Eisenbahn-Minister.

 

Bihar liegt in der Schwemmlandebene des Ganges und ist seit jeher ökologisch äußerst begünstigt. Hieraus resultierte schon früh eine sehr hohe Bevölkerungskonzentration; heute sind es mehr als 850 Einwohner pro Quadratkilometer! Im Durchschnitt sind es in Indien 375 Einw. pro Quadratkilometer. In Patna leben mehr als eine Million Menschen, in Bihar insgesamt sind es rund 80 Millionen. 55 Prozent der Einwohner Bihars leben unterhalb der von der UN errechneten Armutsgrenze. Im Durchschnitt trifft das auf 40 Prozent der indischen Bevölkerung zu – auch das ist keine geringe Zahl.
Bedingt durch eine hohe Arbeitslosenrate von mehr als 60 Prozent gibt es sehr viele Wanderarbeiter. Diese wiederum tragen zur raschen Verbreitung von HIV-Infektionen bei. Den Veröffentlichungen der WHO zufolge hat Indien die zweithöchste Zuwachsrate von HIV weltweit, nach Südafrika.

tl_files/Fotos neu/Reg.Khadi 6.jpgDer überwiegende Bevölkerungsanteil lebt mehr schlecht als recht von der Landwirtschaft und hat keinen Zugang zu sauberem Wasser. Hierbei ist nicht von Trinkwasserqualität die Rede, sondern lediglich von optisch sauberem Wasser. Was das in der Konsequenz zu bedeuten hat, ist nicht schwer vorstellbar. Bedingt durch verschmutztes Trinkwasser verbreiten sich Krankheiten mit meist schwersten Verlaufsformen.

Dies ist ein zusätzliches Problem zu der bei den meisten Menschen ohnedies vorhandenen schlechten gesundheitlichen Verfassung. Die entsteht wiederum durch schlechte Ernährung, auch weil sich der überwiegende Bevölkerungsanteil hauptsächlich vegetarisch ernährt und den Eiweißmangel nicht gezielt ausgleichen kann.

Reg.Khadi 4.jpgDie extremen Arbeitsbedingungen, die mangelnde Hygiene und die miserable medizinische Versorgung tun ein Übriges. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 56 Jahre. Im sehr ländlichen Bihar liegt die Lebenserwartung nicht selten bei 50 Jahren. Für die Frauen ist die Lebenssituation deutlich schechter. Durch eine extrem zeitige Eheschließung und die damit verbundenen pausenlosen Schwangerschaften, die schlechte medizinische Versorgung und die miserablen hygienischen Verhältnisse, auch in den Dispensaries und Hospitals, sind die Frauen um ein Vielfaches mehr belastet und gefährdet!

tl_files/Fotos neu/Reg Khadi 8.jpgNach Angaben der WHO liegt das Risiko, durch eine Schwangerschaft zu sterben, für ein Mädchen unter 20 Jahren fünfmal höher als bei einer erwachsenen Frau über 20. Die Komplikationsrate bei Schwangerschaften sinkt also signifikant erst ab einem Alter von 20 Jahren.

tl_files/Fotos neu/Reg Khadi 5.jpgIn der Umgebung Khadigrams leben zahlreiche Stammesangehörige, insbesondere Santali und Munda. Sie sind für die Regierung nicht gerade eine Zielgruppe, der man besondere Aufmerksamkeit und Förderung zuteil werden lässt. Auch wenn die Adivasis zu den sogenannten Backwards Casts gehören und man für sie und die Gruppe der Kastenlosen und Niedrigkastigen Quoten von immerhin 27 Prozent eingerichtet hat, durch die sie eine Möglichkeit zu Bildung, Ausbildung und späterer Berufsausübung haben sollen, findet man nicht mehr als 2,2 Prozent aus dieser Bevölkerungsgruppe in öffentlichen Ämtern. Durch das Schulprojekt kann auch ihnen zielgerichtet unter die Arme gegriffen werden.