Shubham Primary School

in Anand, im Bundesstaat Gujarat

2016 gegründet - Ganztagsschule für Slumkinder aus Familien von „Dalit“ (Unberührbare) und „Adivasi“ (Stammesanghörige) in Anand, Westindien. Start mit insgesamt 60 Kindern. 20 Jungen und 40 Mädchen.

In 2017 konnten wir weitere 60 Kinder an dieser Schule aufnehmen.

Ab 2018 ist geplant, dass je 30 Kinder hinzukommen sollen. Insgesamt soll die Anzahl der Jungen nicht 25 % übersteigen. Abhängig ist der Ausbau allerdings von den finanziellen Mitteln des Vereins.


Fünf Jahre Schulbildung ermöglichen es den Kindern nicht nur rechnen, schreiben und lesen zu lernen. Es macht den Schritt aus dem Analphabetismus möglich, eröffnet neue Wege und Möglichkeit jenseits des Analphabetentums, der Stummheit und Wehrlosigkeit im Dickicht der geschriebenen Worte. Eröffnung einer neuen Welt, neuen Sichtweisen. Fünf Jahre Kind sein dürfen, ohne durch körperlich schwerste Arbeit belastet zu werden. Regelmäßig gesund ernährt und bei Krankheit medizinisch versorgt zu werden. In einem gesunden Körper wohnen, einfach Kind sein dürfen, lernen und spielen. Ein großes Geschenk!

„Shubham“ heißt Anfang

Am 01. Juni 2016 war es soweit. Wir konnten in Anand, gemeinsam mit unseren Projektpartnern der „Community Development Society“ Dr. Alka und Manoj MacWan eine Ganztagsschule für 60 Slumkinder eröffnen. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler wurde am 01. Juni 2017 um eine zweite Klasse mit  weiteren 60 Kindern ausgebaut.

Abhängig von Patenschaften und Spenden hoffen wir, das Projekt wachsen lassen zu können, um so vielen Kindern wie möglich den Zugang zu Bildung zu ermöglichen und um ihre Grundbedürfnisse zu decken. Sie sollen ein Mal in ihrem Leben Kind sein dürfen, spielen und lernen, ohne Hunger zu leiden, ohne arbeiten zu müssen und, wenn auch nur für eine befristete Zeit, in einem gesunden Körper wohnen dürfen. Kinder glücklich zu machen ist in der Konsequenz eines der größten Geschenke, die man sich selber machen kann.

Der Weg dahin war, wie immer in Indien, mit hohen bürokratischen Hürden gepflastert. Hier umso mehr, weil die MacWans zur Gruppe der Dalit, der Kastenlosen oder Unberührbaren gehören. Daran ändert ihr hoher Bildungsgrad nichts. Manoj hat eine aus Deutschland finanzierte Jesuitenschule besucht und ist, wie er immer wieder betont, den Deutschen unendlich dankbar. Denn ohne diese Unterstützung wäre er weiterhin bettelarm und ohne eine Aussicht auf Änderung in seinem Leben. Aufgrund dieser Erfahrung möchte er etwas zurückgeben, wie er sagt.

Die Liste der unendlichen Vorsprachen in Vorzimmern und bei Beamten des Bildungsministeriums von Gujarat war unüberschaubar lang. Die Geduld von Manoj offenbar unendlich, bis er sich endlich Gehör verschaffen konnte und seine Bemühungen fruchteten. Eigentlich müsste die indische Regierung uns die Füße küssen, angesichts der enormen Finanzmittel, die notwendig sind, um das riesige Bildungsvorhaben, das vor dem Land liegt, zu erreichen. Schließlich bringen wir uns dort ein, um dem Kindeswohl und Recht auf Bildung wenigstens punktuell mehr Gewicht zu verschaffen, um die Grundbildung – Alphabetisierung möglich zu machen.

Aufgrund des Ausmaßes und der Schwierigkeit der Situation der Kinder Indiens und auch der Regierung, um dem gerecht zu werden, können wohl nur tiefgreifende und vor allem langfristige Programme eine verändernde Wirkung zeigen. Der Zugang zu Bildung für alle Kinder bleibt weiterhin problematisch, auch, wenn die Regierung große Anstrengungen in dieser Richtung unternimmt. Allein schon, wenn man den Faktor Diskriminierung betrachtet, so ist ersichtlich, dass weiterhin Millionen von Kindern die Chance auf Bildung verwehrt bleibt, weil sie Dalit oder Adivasi sind.

Unglaublich!

Dabei ist die Fähigkeit zu lernen ein Teil von Bildung der Persönlichkeitsstruktur und Bildung der physischen und intellektuellen Identität. Bildung fördert die Weitergabe von sinnvollen Werten und Traditionen, einer nationalen Identität und verbessert langfristig die Produktivität der späteren Erwachsenen. Damit wird zum wirtschaftlichen Wohlstand und der Stabilität des jeweiligen Landes wesentlich beigetragen.

Die indische Regierung selbst steht vor einer schier unlösbaren Aufgabe.

Jährlich müssten mehrere Millionen Lehrer ausgebildet und eingestellt werden, um nur den aktuellen Stand an Schülern unterrichten zu können. Es ist pro Jahr der Bau von mindestens 600.000 Grundschulen notwendig, so UNICEF. Aus europäischer Sicht finanziell kaum zu stemmen. Aber diese korrupten Beamten haben nicht das Wohl ihres Landes im Visier, auch nicht das der Schülerinnen und Schüler. Sie haben einzig und allein ein Ziel: Nämlich die eigenen Taschen bei dieser Gelegenheit zu füllen. Der Hinweis von Manoj, dass er die Mittel für diese Schule aus Deutschland erhält und das die deutschen Partner allergrößten Wert auf Transparenz legten, darüber hinaus auf eine rasche Abwicklung, beeindruckte keineswegs. „Ah, eine Privatschule…..“ Darauf konnten die Summen für Bestechung nur steigen. Schließlich zog dann doch die Drohung sich an die zuständigen Behörden in New Delhi zu wenden und der Hinweis, dass es sich um eine caritative Einrichtung handle und nicht, wie in Indien bei Privatschulen üblich, um eine profitorientierte Bildungseinrichtung. Hier tun sich übrigens auch kirchliche Bildungseinrichtung negativ hervor. Sie verlangen Schulgebühren in unfasslichen Summen.


Gute Bildung ist in Indien teuer! Sehr teuer! Dies könnten sich die Bewohner der Slums nie und nimmer leisten.

Der Verein „Mädchenschule Khadigram“ legt großen Wert darauf, dass seine, mit aus deutschen Spendenmitteln finanzierten Schulen, sich von den staatlichen Schulen in der Qualität deutlich positiv abheben. Eigentlich keine große Kunst. Indische Schulen sind in der Regel nicht besonders gut.

  • Die Klassenverbände sind meistens viel zu groß. Vorgeschrieben sind Klassengrößen von 45 Schülern. Die Realität zeigt, dass nicht selten 90 Kinder in einem Klassenverband sitzen.
  • Unterrichtsräume sind in einem fragwürdigen Zustand. Es findet durchaus auch Unterricht im Freien statt. Am Straßenrand, auf Bürgersteigen, unter einem Baum usw.
  • Es gibt zu wenige Lehrer und ihre Qualifikation und Motivation lässt häufig zu wünschen übrig.
  • Lehrer scheuen sich nicht drakonische Strafen zu verhängen. Stockschläge sind durchaus üblich. Das Hauptziel scheint die Disziplinierung, nicht die Stoffvermittlung.
  • Vorgegebene Klassenziele werden oft nicht erreicht.
  • Aufgrund von Korruption erscheinen Lehrer nicht zum Unterricht, um a) während der Unterrichtszeiten lukrativen, anderen Beschäftigungen nachzugehen und b) am Nachmittag teuren „Nachhilfeunterricht“ anzubieten.
  • Laut UNICEF verfügen nicht einmal 50 % aller Grundschulen in Indien über eine Wandtafel.
  • Von Schulleitern werden Aufnahmegebühren eingetrieben, die gar nicht existieren.
  • Für Zeugnisse werden Gebühren verlangt, die kostenfrei ausgestellt werden müssen.

An unseren Schulen sitzen nie mehr als 30 Kinder in einer Klasse.

Und an der Ganztagsschule für Kinder aus dem Slum in Anand haben wir einen Lehrerschlüsssel der jeden Lehrer bei uns vor Neid erblassen ließe. Da diese Kinder besondere Anleitung in so vieler Hinsicht benötigen, haben wir uns für die Unterrichtsklasse Eins entschlossen, das ein Lehrer auf zehn Kinder kommt.

  • Das ist zwingend notwendig, um die Defizite, die diese Kinder mitbringen, wenigstens ein bisschen aufzufangen. Die Kinder selbst und natürlich auch die Eltern verstehen nicht, dass eine regelmäßige Teilnahme am Unterricht unabdingbar ist. Dies hat zur Folge, dass in der ersten Anfangszeit immer eine Person damit beschäftigt ist diese Kinder „einzufangen“ und in den Unterricht zu bringen.
  • In den ersten Monaten sind die Schülerinnen und Schüler nicht in der Lage über einen längeren Zeitraum still zu sitzen und zuzuhören. Es herrscht eine permanente Unruhe. Ein Kind stört das andere.
  • Der Umstand, dass es in der Schule regelmäßig drei Mahlzeiten gibt, wirkt schließlich doch Wunder. Hunger ist ein guter Lehrmeister.
  • Sie können einen Stift nicht halten, denn ihre Feinmotorik ist nicht ausgebildet.
  • Sie sind nicht in der Lage ein Bild zu malen und verstehen auch nicht den Sinn von Buntstiften und Farben.
  • Unterrichtsinhalte, auch Liedtexte, können von ihnen nicht, oder nur sehr lückenhaft wiedergegeben werden. Sie verstehen den Sinn nicht und haben all dies auch nie gelernt.

Eigentlich sind sie auf den Stand von Kindergartenkindern im Alter von vier bis fünf Jahren, wenn man einen Vergleich wagen möchte.

Sie benötigen Anleitung in jeder denkbaren Hinsicht. Eine große Aufgabe, die von den Lehrerinnen und den Hilfskräften täglich bewältigt werden müssen. Hier müssen Koch und Küchenhilfe, sowie die Arbeit der Putzfee mit eingeschlossen werden.

  • Sichtbar wird dies, wenn man beobachtet, wie sie unter Anleitung lernen mit Fingerfarben auf Papier zu tupfen und zu malen. Papier schneiden und falten stellt für sie eine Herausforderung an Fingerfertigkeit und Geduld dar. Aber auch für die Lehrerinnen!
  • Sie kommen mit der Toilette nicht zurecht und wissen auch nicht, warum man sich die Hände waschen sollte. Manchmal machen sie auch in die Hose.
  • Teilweise legen sie problematische Verhaltensweisen gegenüber Lehrkräften und Mitschülerinnen und Mitschülern an den Tag.

Alle zwei Wochen fahren alle Kinder in eine Grünanlage der Stadt, wo sie im Freien spielen und Picknick machen können. Das ist natürlich sehr beliebt. Bei den anderen Parkbesuchern weniger. Sie fühlen sich durch die (Slum)Kinder gestört. Manoj musste eine behördliche Bewilligung einholen, damit der Park von der Schule genutzt werden darf. Aus seiner und auch unserer Sicht ist es wichtig, dass Kinder, die aus einem Slum kommen, ohne Grün, ohne die Möglichkeit dem kindlichen Bewegungsdrang nachgeben zu können, diese „Auszeit“ benötigen. Wer einmal einen Slum aufgesucht hat weiß, dass es hier unbeschreiblich eng zugeht und kein freier Platz ungenutzt bleibt. Hütte steht an Hütte. Die Wege dazwischen sind so schmal, dass man, erst recht mit einer Last, kaum aneinander vorbei kommt. In der heißen Zeit ist es unerträglich staubig und schmutzig sowieso. In der Regenzeit ist alles überschwemmt, matschig, dreckig, stinkig. Dass die Grundbedürfnisse aller Schulkinder der Shubham Slumschule, wie an unseren anderen Schulen bisher auch, gedeckt werden, versteht sich von selbst.

Die Kinder erhalten auch alle eine Schuluniform, die sie mit großem Stolz tragen und am liebsten gar nicht mehr ausziehen möchten. Daher obliegt es auch der Putzhilfe und „Mädchen für Alles“ die Kleidung der 120 Kinder zu waschen. Von Hand!! 

Nach Abschluß des ersten Schuljahres konnten alle Beteiligten, Schüler und Lehrerinnen, stolz feststellen, dass diese Kinder trotz all der Schwierigkeiten eine Menge gelernt haben.

Die Schule hat einen Tag der offenen Tür veranstaltet. Die Kinder und alle Mitarbeiter der Schule konnten anhand von Fotos und kleinen, selbstgeschriebenen Texten, selbst gebastelten Dingen und gemalten Bildern zeigen, wozu sie fähig sind und welch großes Potential in ihnen steckt. Auch die Eltern, die sich die Werke ihrer Kinder anschauten, waren mit Stolz erfüllt über ihre Kinder.


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Die Kinder haben es verdient!

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