Indien im Lockdown und die Auswirkungen für mehr als eine Milliarde Menschen im Land

Am 24. März verordnete die indische Regierung den Lockdown. Um Mitternacht trat er in Kraft. Für mehr als eine Milliarde Menschen. Mit einem Schlag stand das öffentliche Leben still. Die indische Regierung hat die denkbar ungünstigste Lösung für die Bekämpfung der Pandemie gewählt, nämlich einen Makro Lockdown mit Mikrotests, lt. „Times of India“. Mehr als geschätzte 450 MIO Wanderarbeiter und Tagelöhner verloren ihre Arbeits – und damit Überlebensmöglichkeiten, denn einen Kündigungsschutz gibt es nicht, so wenig wie Kurzarbeitergeld oder Sozialhilfe. Diejenigen unter den Armen – und ihre Zahl beträgt lt. UNICEF 40%, -  beinahe die Hälfte der Gesamtbevölkerung, die unterhalb der Armutsgrenze lebt, waren von einem Tag auf den anderen ihrer Überlebensmöglichkeiten beraubt. Sie dürfen bis heute nicht auf die Straße. Der Erntehelfer nicht und der Rikshawfahrer, genauso wenig wie der Schuhputzer, Müllsammler, Straßen – und Latrinenreiniger, fliegender Händler usw. Es gibt immer häufiger Geschichten von brutalen Polizeiübergriffen auf Menschen, die ihr Überleben versuchen zu bewerkstelligen.

Sie befinden sich in Existenznot! Eine humanitäre Krise droht sich anzubahnen.

Hinzu kommt eine Heuschreckenplage, die sich hartnäckig und kontinuierlich von Ostafrika herkommend über Westindien auszubreiten droht. Innerhalb kürzester Zeit wird die Ernte auf ganzen Feldern vernichtet, gefressen.

Im Juni betrug die Infektionsrate durch Covid 19 pro Tag circa 13.000 Personen.

Abstandsregeln und gute Hygiene sind essentiell, um der Seuche zu begegnen. Das wissen wir hier sehr gut. Aber wie lässt sich das durchführen, bei den Wohnverhältnissen eines Großteils der Bevölkerung. Wo der Nachbar in einem Meter Abstand wohnt, bis zu 16 Personen auf 20 Quadratmeter hausen, ohne fließend Wasser und Strom und vor allem ohne eine Sanitärzelle/Toilette. Wenn die Tageseinnahmen nicht vorhanden sind,
gibt es nichts zu essen und auch keine Seife, kein Waschmittel.

Seit dem Lockdown sterben wir am Hunger“, erklärte ein Rikshawfahrer. „Sie sagen da sei eine Krankheit in der Luft und wir können daran sterben. Aber ehe wir durch die Krankheit sterben, werden wir den Hungertod erleiden“.

Die Krankheit zeigt abgrundtiefe Dimensionen der Armut in Indien auf, wovon bei uns kaum jemand etwas geahnt hat, denn Indien stand seit Jahren mit seinem Wachstumsmotor, seiner Modernisierung, seinem ökonomischen Aufschwung in den Medien. Von Armut und Hunger wurde nicht oder nur selten berichtet. Dabei war der Hunger dort für Millionen Menschen ständiger Begleiter.

Schon vor Corona waren lt. Welthungerhilfe 200 MIO Menschen vom Hunger bedroht. Überwiegend Kinder. Inzwischen ist die Zahl der Hungernden dramatisch gestiegen. Befeuert wird die Situation auch dadurch, dass Ernten nicht eingefahren werden können und Lebensmittelpreise rasant steigen.

Es ist Erntesaison. Aber es kann nicht geerntet werden. Die Sommersaat kann nicht ausgebracht werden. Es fehlt an Erntehelfern.

Die Regierung hat ein Ernährungsprogramm für Bedürftige aufgelegt.Aber wie so oft in Indien erreicht es diejenigen, für die es gedacht ist, nicht. Die Korruption macht viele guten Ansätze zunichte.

Vor wenigen Tagen schockierte der Regierungschef von Delhi, Arvind Kejriwal, die Öffentlichkeit mit einer düsteren Prognose. "Bis zum 15. Juli haben wir voraussichtlich 225.000 Fälle, allein in Delhi und bis Ende Juli werden es möglicherweise mehr als 530.000 sein. Dann bräuchten wir allein in der Hauptstadt 80.000 Krankenhausbetten."

Am 04.07. wurde in Indien mit 11.458 neuen Coronavirus-Infektionen ein neuer Tageshöchststand erreicht. Krankenhäuser nehmen kaum noch Patienten auf und wenn, dann nur gegen Vorkasse. Der Tagessatz für ein Bett im Einzelzimmer liegt bei rund 400 Euro.

Ein Tag auf der Intensivstation mit Beatmungsgerät kostet 1000 Euro. Selbst für viele Inder aus der Mittelschicht fast ein Monatsgehalt. Für die Armen vollkommen außer Reichweite. Mittlerweile wurden leerstehende Züge auf vielen Bahnhöfen stationiert, um die Behandlungsbedürftigen darin aufzunehmen. Wie die Patienten dort versorgt werden können erschließt sich mir nicht. Zumal es an erforderlichem Pflegepersonal und Ärzten fehlen dürfte. Von den sonstigen, dringend notwendigen Dienstleistungen ganz zu schweigen. Die Krematorien sind bereits jetzt schon überlastet. Erdbestattungen nur erschwert möglich. Das birgt weitere Gefahren.

Aktuell werden die Ausgangssperren schrittweise gelockert, obwohl die Zahlen der Infizierten immer noch stark ansteigen. Die Gesundheitsbehörden gehen davon aus, dass der Höhepunkt der Infektionswelle längst noch nicht erreicht ist.                                 


Unser Hilfsprojekt

Grundnahrungsmittel für besonders betroffene Familien

Um wenigstens den größten Hunger besonders betroffener Familien in der Umgebung unseres Projektstandorts in Anand etwas zu mildern, haben wir uns entschlossen, gemeinsam mit unserem Partner Manoj Macwan ein Hilfsprogramm umzusetzen.

Für die kommenden Monate wollen wir Grundnahrungsmittel an ganz besonders Bedürftige verteilen.

EIN PAKET mit Reis, Mehl, Linsen, Öl, Salz, Zucker sowie Seife und Waschmittel für eine Familie kostet für eine Woche 11,50 €

Nicht wirklich ein riesiger Betrag – oder?

Wenn Sie uns dabei unterstützen wollen, würden wir uns freuen und den Familien Hoffnung spenden, denn Hunger ist schmerzhaft und hat viele negative Auswirkungen.


Spendenkonto bei der Volksbank Backnang – DE27 6029 1120 0103 2650 07

Kennwort: HUNGER

Natürlich erhalten Sie, wie immer, automatisch eine Spendenbescheinigung. Voraussetzung hierfür ist die Angabe der Adresse des Spenders. Bitte vermerken Sie unbedingt Ihre Adresse auf dem Überweisungsträger!

Bleiben Sie gesund!