Unser Verein

Der Verein Mädchenschule Khadigram e.V. ist eine unabhängige NGO (Nichtregierungsorganisation). Es gibt keine Dachorganisation, auch nicht in Indien. Wir kooperieren mit der in Indien unter dem „Foreign Registration Act“ registrierten, indischen Organisation „Community Development Society“.

Wir haben keinen kommerziellen, politischen oder religiösen Hintergrund und verfolgen dementsprechend keine kommerziellen, parteipolitischen, religiösen oder sonstige weltanschaulichen Ziele. Daher werden wir weder von politischen, noch von religiösen, oder sonstigen Organisationen zum Zwecke der Verbreitung entsprechender Ideologien getragen, oder regelmäßig finanziell unterstützt, weder in der Bundesrepublik Deutschland noch in Indien.

Hintergrund

Die Situation der Frauen in Indien

Zunächst sei betont, dass es für Indien und damit natürlich auch für die indischen Frauen keinerlei allgemeingültige Standards gibt.

Indien gehört zu einem Subkontinent. Diese geografische Bezeichnung zeigt an, dass es sich um den Lebensraum von sehr vielen Menschen verschiedenster Ethnien handelt. In Indien leben 170 verschiedene Ethnien in den unterschiedlichsten Klimazonen. Es gibt 17 offizielle Sprachen, 11 voneinander vollkommen verschiedene Schriften, von denen zwei Schriften von rechts nach links geschrieben werden, und ca. 3000 Dialekte. Das bedeutet, dass eine Situation an einem Ort als vollkommen üblich und normal erlebt wird, die anderenorts ein Ding der Unmöglichkeit wäre. Auf die Inderin bezogen heißt das, es gibt nichts, was auf alle Frauen Indiens gleichermaßen zutrifft.

Eines zieht sich allerdings leider wie ein roter Faden durch das Land: die Missachtung indischer Frauen und ihr Bildungsmangel.

Das Fernhalten von Bildung durch die Familie erfüllt in Deutschland bereits den Tatbestand der Misshandlung. Diese Misshandlung widerfährt auch heute noch fortgesetzt unzähligen Frauen Indiens, ganz besonders im ländlichen Raum. Sie empfinden das nicht als physischen Schmerz, sehr wohl aber als Mangel! Seit Jahrzehnten verändert sich die Analphabetenrate in Indien kaum. Je nach Statistik liegt sie bei ca. 43% der Gesamtbevölkerung. Besonders hervorzuheben ist die Analphabetenrate bei den Frauen Indiens.

Auf dem Land und in den Dörfern, aber auch in den Slums der Städte tritt diese Benachteiligung besonders eklatant zutage. Die Einschulung unterbleibt bei Mädchen sehr viel häufiger als bei Knaben, weil sie eher zur Arbeit herangezogen werden. Außerdem spielt die Tradition eine nicht zu unterschätzende Rolle. Frauen sind aufgrund ihrer mangelhaften Bildung und den überaus schlechten Chancen, in den Genuss schulischer Bildung zu gelangen, abhängig von ihren Familien, solange sie ein Kind sind.

Später setzt sich die Abhängigkeit als Ehefrau fort, denn der Ehemann ist auch gleichzeitig ihr gesetzlicher Vormund - eine für uns Europäer unvorstellbare Situation! Aber auch für die Frauen ist das häufig ein Desaster. Durch ihren Bildungsmangel ist es ihnen erst recht unmöglich, sich nötigenfalls juristisch zur Wehr zu setzen. Bei indischen Behörden ist das ohnedies sehr schwierig, zumal die Frau, wie bereits erwähnt, als juristische Person häufig nicht anerkannt wird. Das wiederum hat logischerweise Auswirkungen auf ihre Kinder. Und letztlich leiden auch die Familien unter dieser mangelnden Bildung.

Eine schulisch gebildete Mutter ist leichter in der Lage, beispielsweise über Traditionen und Kastenwesen zu reflektieren, über deren Sinn oder Unsinn. Sie kann ihren Kindern eher neue Wege eröffnen und vielleicht ebnen. Sie ist eher in der Lage, eine Gesundheitsvorsorge für die Familie zu betreiben. Sie ist eher befähigt, für eine vernünftige Ernährung zu sorgen, kann Gefahrensituationen leichter einschätzen und eventuell gegensteuern. Last, but not least wird sie durch die Alphabetisierung eher in die Lage versetzt, eine selbstständige Geburtenkontrolle durchzuführen. Bildung ermöglicht es den Menschen, in ihrem Land zu bleiben, nicht heimatlos zu werden, was auf die Industrienationen in Bezug auf die Probleme der Migration unmittelbare Auswirkungen hätte.

Sie können vor Ort Veränderungen und Verbesserungen herbeiführen, was sich unmittelbar und positiv auf ihre Lebensverhältnisse auswirkt und das Leben in der Heimat lebenswerter, unter Umständen auch leichter macht.

Mahatma Gandhi sagte:
"Einen Mann zu bilden ist eine Investition in ein Lebensalter.
Eine Frau zu bilden ist eine Investition in eine ganze Generation."

Gandhi hat weise vorausschauend die Situation erkannt. Leider hat das bis heute keine nachhaltigen Auswirkungen auf dieses riesige Land und für die Frauen. So ist es gewiss nicht schwer, sich dem Gedanken anzuschließen und gezielt Frauenbildung, Bildung für die Mädchen Indiens, zu fördern und zu unterstützen.

 

Die Zielsetzung des Vereins

Schule statt schuften! – Lernen statt heiraten!

Das Motto der Organisation „Mädchenschule Khadigram“ e.V.

Bildung und Ausbildung sind die Voraussetzungen für eine eigenständige wirtschaftliche und soziale Entwicklung. Bildung ist die Grundvoraussetzung für ein selbstständiges, wirtschaftlich unabhängiges Leben. Bildung ermöglicht die Teilnahme an Demokratisierungsprozessen und politischen Entscheidungen und ist deshalb grundlegend. Daher ist es eine dringende Notwendigkeit, in erster Linie zur Alphabetisierung junger Frauen und Mädchen beizutragen. Dies gilt leider nicht nur für Indien, aber gerade für Indien! Ein Land in dem es für das eigene (neugeborenen) Überleben entscheidend ist, ob man als Mann oder Frau geboren wird. Denn Millionen von Mädchen werden entweder abgetrieben oder nach der Geburt ermordet. Für den Verlauf des weiteren Lebens entscheidet über Wohl oder Wehe, ob man zu den oberen Kasten, oder überhaupt einer Kaste zugehörig ist. Gerade in der Gesellschaftsschicht der Unberührbaren, zu denen auch die Stammesangehörigen zählen, ist die Analphabetenrate exorbitant hoch, ganz besonders bei den Frauen. Die Armut, wobei hier von Armut unterhalb der, von der UN errechneten Armutsgrenze gesprochen wird, ist dementsprechend verbreitet.

Der Verein Mädchenschule Khadigram e.V. hat als Ziel, insbesondere Mädchen zu alphabetisieren. An unseren Schulen sollen Mädchen aus Familien der "Kastenlosen" und Stammesangehörigen eine Bildungschance erhalten. Wir wollen einen fünfjährigen Schulbesuch möglich machen. Der Verein unterhält Ganztagsschulen mit derzeit 150 Kindern. Seit 2016 haben auch Jungen aus der gleichen „Kaste“ eine Chance aufgenommen zu werden. Allerdings darf das Verhältnis von 25 % zu 75 % der Mädchen nicht überschritten werden. Weiterhin gilt unbedingt die Priorität den Mädchen und Frauen.

  • Ganztagsschulen sind aus unserer Sicht aus verschiedenen Gründen wichtig. Zunächst sollen sich die Kinder grundsätzlich in einem geschützten Raum aufhalten können. Eine Ganztagsbetreuung bietet hier sehr viel mehr diese Schutzmöglichkeit.
  • Darüber hinaus werden gerade die Mädchen in der häuslichen Umgebung nicht mehr so viel wahrgenommen. Das wiederum schützt sie vor sexuellen Übergriffen und vor dem Umstand, dass, wenn sie gesehen werden, auch zur Ehefrau begehrt werden. Sind sie nicht permanent präsent, fällt dieser Umstand aus, beziehungsweise wird mehr in den Hintergrund gedrängt. Laut einer Studie der indischen Regierung von 2007 werden 69 % der Kinder Opfer von Mißbrauch!
  • Während der Präsenz an der Schule können die Schülerinnen und Schüler besser angeleitet, beschult und beaufsichtigt werden. Hausaufgaben sind in der elterlichen Umgebung meistens nicht möglich. Die Behausungen im Slum bieten hierfür keinen Raum. Außerdem gibt es in diesen erbärmlichen Hütten weder Tageslicht noch Strom. Es ist keine Möglichkeit sich an einen Tisch zu setzen oder sich zurückzuziehen.
  • Die Kinder können leichter einer medizinischen Betreuung zugeführt, die Einnahme von Medikamenten überwacht werden.
  • Auch die Nahrungsaufnahme und Hygiene kann hier kontrolliert werden. Wir achten sehr auf abwechslungsreiche Kost. Die Versorgung mit Milch und anderen Eiweißträgern, frischem Obst und Gemüse ist uns außerordentlich wichtig. 204 MIO Menschen, lt. WHO überwiegend Kinder, sind in Indien unterernährt. Unterernährung vernichtet jedoch das Potenzial von Kindern!
  • Durch die andauernde Betreuung den ganzen Tag über können Hygienemaßnahmen viel besser umgesetzt werden. Kommt ein Kind als „Dreckspatz“ in den Unterricht, wird es erst einmal unter die Dusche gestellt.
  • Die Putzfee wäscht beispielsweise auch die Kleidung der Kinder. Von Hand!! In den Slumhütten ist meistens kein Geld für Waschmittel vorhanden und es fehlt auch das Verständnis der Notwendigkeit. Der Zusammenhang von Krankheit und Hygiene ist den meisten Menschen nicht vertraut.
  • Neben der für die Familien kostenfreien Beschulung, die der Verein bietet, erhalten die Kinder Kleidung; im Regelfall sind ihre Kleider in sehr erbärmlichen Zustand und sie besitzen keine Kleidung zum Wechseln.
  • Während die Kinder sich an der Schule aufhalten, werden sie nicht zu schweren, körperlichen Arbeiten herangezogen. Dies würde anderenfalls zutreffen. Kinder werden in Indien wie zu klein geratene Erwachsene betrachtet. Sie würden zu Arbeiten herangezogen werden, die sie körperlich und psychisch überlasten. Häufig werden sie zu gesundheitsgefährdenden Arbeiten herangezogen. Laut UNICEF arbeiten in Indien ca. 90 MIO Kinder. Mehr als 12 MIO Kinder arbeiten als Kindersklaven.

Diese Kinder erleben KEINE Kindheit.

Sie leben und wachsen auf unter unmenschlichen und entwürdigenden Bedingungen. Kinder sind billige und willfährige Arbeitskräfte. Sie sind zu klein und lebensunerfahrenen, um sich adäquat zur Wehr setzten zu können. Daher greift man gerne auf sie zurück.

  • Wir finanzieren den gesicherten Transport zwischen Elternhaus und Schule. Ein sehr wesentlicher Punkt, denn Eltern haben die berechtigte Angst, dass ihre Kinder keinen gesicherten Schulweg haben. Nicht nur, dass die Verkehrssituation Anlass zu Sorge gibt. Die Eltern haben Angst, dass ihre Kinder verschleppt, verkauft und versklavt werden. Jährlich verschwinden in Indien 180.000 Kinder. Die Polizei bleibt in der Regel untätig.

Da die Eltern ausnahmslos Analphabeten sind (Indien hat laut UN 270 MIO Analphabeten und ist damit weltweiter Spitzenreiter), müssen sie nicht nur bezüglich der Sinnhaftigkeit von Schulbildung überzeugt werden.

Die Kinder unserer Schulen sollen  zukünftig in die Lage versetzt werden Texte selber zu lesen, Rechenaufgaben des täglichen Lebens eigenständig zu lösen, Einfluss zu nehmen auf ihr Umfeld und als selbstständige Wählerinnen und Wähler an Wahlen teilzunehmen. Durch die Alphabetisierung soll nicht nur die Lesefähigkeit gefördert werden, sondern ganz entschieden auch das Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl dieser jungen Menschen. Abdingt durch ihre „Kastenzugehörigkeit“ gibt man ihnen immer und überall das Gefühl „unwert“ zu sein. Sie werden diskriminiert, verachtet, ausgegrenzt. Man verweigert ihnen ihre verfassungsmäßigen Rechte. Gerade die Mädchen gelangen zu einem höheren sozialen Ansehen durch schulische Bildung, wie im Punjab bei den Sikhs und in Kerala oder Tamil Nadu (Südindien) ersichtlich ist.

Kinderzahl und Kindersterblichkeit stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit der Alphabetisierungsrate. Kinder werden besser versorgt, wenn die Mutter einen höheren Bildungsstand besitzt. In der Folge gelangen die jungen Frauen zu größerer Selbstbestimmung und gewinnen mehr Freiheiten. Hierdurch wiederum ist es ihnen leichter möglich, sich gegen Kastennormen zu stellen - beispielsweise gegen eine unfreiwillige Verheiratung in eine Mitgiftehe, die in bildungsfernen Gesellschaften und ländlichen Regionen nicht selten bereits im Alter von zwölf Jahren vollzogen wird, obwohl dies gesetzlich verboten ist. Die UN bezeichnet diese Form der Eheschließung als Sklaverei.

Ein Minimum an Allgemeinwissen eröffnet die Möglichkeit weiterer Schritte. Dazu möchte der Verein durch sein Engagement beitragen. Analphabetismus beinhaltet viel mehr als „nur“ nicht lesen, schreiben rechnen zu können. Analphabetismus beinhaltet den Mangel an Kreativität und Vorstellungsvermögen darüber, wie man sich aus der Lebenssituation befreien kann, in der man buchstäblich festsitzt. Der Blick über den Tellerrand kann nicht getan werden, mangels der Fähigkeit abstrakt denken zu können. Es mangelt das Vorstellungsvermögen, dass eine Veränderung aus sich selbst heraus möglich sein kann. Durch Erwerb von Wissen und Fähigkeiten.

Armut geht immer Hand in Hand mit Kinderarbeit!

Dies gilt es unbedingt zu verhindern.Es besteht kein Zweifel daran, dass fehlende Bildung Manipulation durch jede Gruppierung und natürlich auch durch die Politik möglich macht. Dem soll durch die Aktivität unserer Schulen entgegengewirkt werden.

Kosten und Spendeneinnahmen

Das Spendenaufkommen des Vereins bestehend aus Patenschaftsbeiträgen und freien Spenden, belief sich in 2016 auf 112.580,00 €.

Derzeit benötigen wir für 150 Schulkinder und 50 Krankenpflegeschülerinnen die Summe von 96.000,00 € pro Jahr, um die Projekte vor Ort zu finanzieren.

Für 86 Kinder besteht eine Patenschaft.

Verwaltungskosten in Deutschland betragen ca. 7.000,00 € / 5%. Hier enthalten sind Flyerdruck, Büromaterial, Veranstaltungen zur Spendenakquise.

Da der Verein eine sehr schlanke Struktur hat hilft Ihre Spende direkt und unmittelbar.


Diese Urkunden wurden dem Verein Mädchenschule Khadigram e.V. für überzeugendes entwicklungspolitisches Engagement durch die Stiftung Entwicklungs-Zusammenarbeit Baden-Württemberg gemeinsam mit der Landeshauptstadt Stuttgart und dem Förderverein Hilfe Direkt e.V. verliehen:

Eine-Welt-Preis (BW) 2004 | Bürgerpreis Rems-Murr 2008 | Zertifikat Eine-Welt-Preis (BW) 2007

Außerdem wurde Marianne Frank-Mast 2016 von der Gemeinde Althütte, in einem Festakt eine Medaille für Ihr Engagement in Indien verliehen.

Alle Texte stammen von Marianne Frank-Mast. Unter Angabe dieser Quelle, können Sie gerne die Texte für Ihre Zwecke/Veröffentlichungen nutzen.

Struktur des Vereins

Vorstand, bestehend aus 1. und 2. Vorsitzenden
1 Kassenwart, 1 Kassenprüfer, 1 Schriftführer

Anzahl der Mitarbeiter
hauptamtlich: 0 und ehrenamtlich: 4

Rechtsstatus
Eingetragener Verein seit 2003. Der Verein ist vom Finanzamt Backnang mit Datum vom 18.9.2003 als gemeinnützig und mildtätig anerkannt und berechtigt, Spendenbescheinigungen auszustellen. (Der letzter Freistellungsbescheid vom Finanzamt Backnang ist vom 22.06.2017 und hat die Gültigkeit von 5 Jahren.)

Unser Spendenkonto

Volksbank Backnang eG
IBAN: DE27 6029 1120 0103 2650 07
BIC: GENODES 1 VBK

Gläubiger ID: DE46ZZZ00001209119

Steuernummer: 51049-46160
Finanzamt Backnang

Registernummer: VR 686
Die Satzung des Vereins kann unter dieser Nummer beim Amtsgericht Backnang eingesehen werden

Sponsoren

Stellvertretend für all jene, die das Projekt Mädchenschule unterstützen, zu denen auch ganz wesentlich die Paten beitragen, möchten wir uns an dieser Stelle für das Engagement sehr herzlich bedanken!